Stimmen aus der Stadt: Die soziale Landkarte als Grundlage für die Vision Theaterwerkplatz Luzern
Die soziale Landkarte, das erste Dialogformat, bildet zusammen mit den vom Stadtrat definieren Leitsätzen und Rahmenbedingungen das Grundgerüst für den Mitwirkungsprozess. Persönliche Interviews mit Vertreter*innen zentraler Anspruchsgruppen ermöglichten eine erste Auslegeordnung der unterschiedlichen Perspektiven und Anliegen.
Mit dem Ziel, ein wachsendes Netzwerk rund um den Theaterwerkplatz Luzern aufzubauen und den persönlichen Kontakt mit Vertreter*innen zu pflegen, führte das für den Mitwirkungsprozess verantwortliche Büro s2r zwischen Mai und Juli 2026 elf Interviews durch.
In Absprache mit der Projektleitung der Stadt Luzern fanden Gespräche mit Vertreter*innen von Luzerner Theater, Politik, Kultur, Architektur und Gesellschaft statt. Aus diesen Interviews entstand die soziale Landkarte, aus der sich bereits verschiedene Erkenntnisse ableiten lassen:
1. Ein geschätztes, aber nicht allen nahes Theater
Die Gespräche zeigten, dass das Luzerner Theater als kulturelle Institution und demokratischer Ort hohe Wertschätzung geniesst. Insbesondere bei Jüngeren war allerdings eine gewisse Distanz spürbar, da das Luzerner Theater teils als elitär wahrgenommen wird. Entsprechend wurde mehrfach der Wunsch nach einem Theater geäussert, das sich an ein vielfältiges, breites Publikum richtet.
2. Der Blick zurück
Beim Blick in die Vergangenheit wurde aus den Interviews deutlich, dass sich die Ablehnung zum früheren Projekt weniger gegen die inhaltlichen Ziele richtete als gegen dessen Wahrnehmung. So hätten in der öffentlichen Debatte ästhetische Fragen dominiert und die Kommunikation habe nicht überzeugt. Gleichzeitig herrschte Einigkeit, dass es «auf jeden Fall [...] ein Theater an der Reuss» brauche. Die Frage sei allerdings «was für ein Theater das sein soll».
3. Chancen und Risiken für den zweiten Anlauf
Für den nun gestarteten zweiten Anlauf wurde das Potenzial eines frühen, transparenten, partizipativen Prozesses mit realistischen Erwartungen genannt. Die grösste Gefahr sahen die Interviewten in einer erneuten Polarisierung und ideologischen Aufladung. Falls aber der «zweite Versuch mit breitem Einbezug der Bevölkerung stattfindet, stehen die Chancen gut.»
4. Städtebau, Architektur und Standort
Aus den Gesprächen zeigte sich, dass die zentrale Lage an der Reuss erhalten bleiben soll. Kontrovers diskutiert wurde der Umgang mit dem Bestand, d.h. die Frage nach Erhalt oder Neubau. Einigkeit bestand darüber, dass die Architektur diesmal sorgfältiger und breiter diskutiert werden müsse und dabei der Theaterbetrieb nicht aus den Augen verloren gehen dürfe.
5. Zusammenarbeit und Betrieb
Weiter wurde der Wunsch nach stärkerer Zusammenarbeit mit der freien Szene und Kulturinstitutionen geäussert, ohne dabei die Rolle des professionellen Theaterbetriebs zu schwächen. Allerdings zeigte sich, dass klar definiert werden müsse, was mit dem Begriff Theaterwerkplatz gemeint sei.
Bezüglich des Betriebsmodells wünschten sich viele Befragte eine grössere räumliche Flexibilität, um neue Zielgruppen zu erreichen und die Kulturlandschaft stärker zu vernetzen. Gleichzeitig seien klare betriebliche Mindestanforderungen (Bühnenturm, Proberäume, Barrierefreiheit) zu beachten.
6. Ein Treffpunkt für die Bevölkerung
Breit abgestützt war zudem die Idee, das Theater als lebendigen Begegnungsort auch über den Vorstellungsbetrieb hinaus zu öffnen – sei es mit Cafés, offenen Foyers und anderen niederschwelligen Angeboten: "Ein Ort, an dem sich alle Bevölkerungsschichten aufhalten können – ohne Konsumzwang."
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Visionen der Interviewpartner*innen trotz unterschiedlicher Schwerpunkte bemerkenswerte Gemeinsamkeiten aufweisen. Gewünscht wurde ein Theater, das professionelles Drei- oder Viersparten-Theater ermöglicht, kulturelle Neugier weckt und gleichzeitig ein offener Treffpunkt für die Bevölkerung ist. Das zukünftige Theater soll mutig sein, neue Formate zulassen und gesellschaftliche Begegnungen fördern, ohne seinen professionellen Anspruch aufzugeben.
Mehrere Interviewpartner*innen betonten zudem, dass Luzern eine eigenständige Lösung entwickeln müsse; ein Theater, das zur Stadt passe und gleichzeitig überregionale Ausstrahlung besitze. Dabei soll das Gebäude nicht Selbstzweck sein, sondern die kulturelle Vision unterstützen und langfristig gute Arbeitsbedingungen, hohe Aufenthaltsqualität sowie kulturelle Teilhabe ermöglichen.
Wie geht es weiter?
Klar wurde in den Gesprächen auch: Die Mitwirkung soll nicht enden, wenn eine Vision vorliegt. Insbesondere der Übergang zum Architekturprozess soll nachvollziehbar gestaltet werden – mit transparenter Kommunikation über Meilensteine und Zwischenergebnisse. Denn: «Wenn der Architekturprozess wieder zur Blackbox wird, kommt am Schluss vielleicht wieder etwas raus, das die Mehrheit nicht schön findet.»
Gleichzeitig war den Befragten wichtig, dass fachliche Entscheidungen weiterhin von Expert*innen getroffen werden. Die Mitwirkung soll Orientierung geben und Legitimation schaffen – nicht die planerische Verantwortung ersetzen. Diese klare Rollenteilung gilt vielen als wesentliche Voraussetzung für einen erfolgreichen zweiten Anlauf.
Nun aber ist die Mitwirkung in vollem Gang und wir wollen von dir wissen: Was ist deine Vision? Sag es uns!
Hier erfährst du zudem mehr zum Mitwirkungsprozess.