Ăśber das Projekt
Vision Theaterwerkplatz Luzern ist ein Projekt der Stadt Luzern. Nach Ablehnung des Projektierungskredit fĂĽr ein neues Luzerner Theater hat der Grosse Stadtrat die DurchfĂĽhrung eines neuen Mitwirkungsprozesses beschlossen.
Ziel ist die Erarbeitung der Vision Theaterwerkplatz Luzern innerhalb klar definierter Leitsätze und Rahmenbedingungen. Damit soll ein zielgerichteter Prozess für die Beteiligung der Bevölkerung sichergestellt werden.
Leitsätze
Das Theater als identitätsstiftender Ort Luzerns
Das Theater am Reussufer prägt die Stadt Luzern. Seine Architektur, die vielfältige Nutzung und die Gestaltung der Räume beleben das Stadtzentrum. Es entsteht ein Ort, der in den öffentlichen Raum ausstrahlt und zum Verweilen einlädt. Das neue Theatergebäude wird so gestaltet, dass es sich harmonisch in das Stadtbild einfügt. Gleichzeitig entsteht ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Freiflächen und Gebäudeteilen. Priorität hat ein nachhaltiger Bau. Geplant ist ein wegweisendes, innovatives und nachhaltiges Projekt, beispielsweise durch den Erhalt tragender Gebäudeteile. Ob ein vollständiger Neubau sinnvoller ist, wird geprüft.
Theaterwerkplatz Luzern: ein Netzwerk fĂĽr Kultur
Der Theaterwerkplatz Luzern ist ein Netzwerk aus kulturellen Akteur*innen – ein offener Raum für künstlerische Produktion, Austausch und gesellschaftliche Auseinandersetzung. Hier verweben sich Theater, Tanz und Musik, die freie Szene, Veranstalter*innen und Kulturinstitutionen zu einem vielschichtigen Gefüge aus Beziehungen, Ressourcen und Rollen. Gemeinsam entwickeln sie eine Vision für die Zukunft des Theaterwerkplatzes. So entstehen verlässliche Strukturen für Kooperation, Experimente und Teilhabe, die das kulturelle Leben in Luzern prägen – und darüber hinauswirken.
Innovativer Kulturort und öffentlicher Treffpunkt
Das Luzerner Theater nimmt eine zentrale Rolle auf dem Theaterwerkplatz Luzern ein. Es ist ein Impulsgeber und wichtiger Partner für andere Akteur*innen. Mit seinen Produktionen ist es am Theaterplatz präsent, aber auch an anderen bestehenden Spielorten und im öffentlichen Raum. Flexible, vielfältig nutzbare Räume ermöglichen innovative Produktionen in Schauspiel, Tanz und Musiktheater und sichern die Zukunft des Kulturbetriebs. Doch das Theater ist mehr als eine Bühne: Es wird zum öffentlichen Treffpunkt für Austausch, Unterhaltung, Bildung und kulturelle Teilhabe.
Rahmenbedingungen
Standort
Das Theatergebäude bleibt am heutigen Standort am linken Reussufer. Die Bevölkerung und der Grosse Stadtrat haben sich klar für den Verbleib ausgesprochen. Das gibt Planungssicherheit und führt die Luzerner Theatertradition an diesem Ort weiter.
Raumprogramm und Zugänglichkeit
Das Raumprogramm wird so überarbeitet, dass das neue Theatergebäude nur moderat grösser wird als das bestehende und öffentlicher Raum und Gebäudevolumen in Balance bleiben. Herzstück des neuen Raumprogramms ist eine Hauptbühne für Schauspiel, Tanz und Musiktheater. Das Theater ist auch ausserhalb von Veranstaltungen für alle zugänglich. Als öffentlicher Treffpunkt mit publikumsorientierten Nutzungen – innen wie aussen – belebt es den Stadtraum und erhöht die Aufenthaltsqualität.
Theaterplatz
Der Theaterplatz wird als städtischer Freiraum mit hoher Aufenthaltsqualität weiterentwickelt. Er wird im Zusammenspiel mit dem künftigen Theatergebäude zum öffentlichen Begegnungs- und Verweilort. Der Stadtraum verknüpft sich mit den öffentlichen Räumen entlang des Reussufers und in Richtung Bahnhof und KKL. Fuss- und Veloverkehr haben Vorrang; Zufahrts- und Anlieferungswege werden für den Theaterbetrieb und den Verkehr sicher und effizient organisiert.
Theatergebäude
Ziel ist der teilweise Erhalt des bestehenden Theatergebäudes – unter Berücksichtigung der Stadtsilhouette, der Nachhaltigkeit und eines ausgewogenen Verhältnisses von bebautem zu unbebautem Raum. Das Gebäude kann erweitert und transformiert werden. Die Interessen aus Ortsbildschutz und Denkmalpflege werden sichergestellt. Ein Neubau bleibt eine Option und wird dem Weiterbauen fachlich gegenübergestellt – etwa bezüglich Volumen, Flexibilität, grauer Energie, Kosten und Prozesssicherheit. Die gegenüberliegende Liegenschaft Buobenmatt wird als potenzieller Möglichkeitsraum in die weitere Planung miteinbezogen. Der Bau einer zweiten Bühne ausserhalb des Perimeters des Theaterplatzes wird ausgeschlossen.
Betriebsmodell
Das Betriebsmodell steht mit den ausgeführten Rahmenbedingungen (Standort, Raumprogramm, Gebäude, Platz) in Einklang. Der Mehrspartenbetrieb mit Schauspiel, Tanz und Musiktheater bleibt das Rückgrat des Luzerner Theaters. Es werden neue Formate für Kooperation, Veranstaltungen und Vermittlung geprüft – insbesondere in Zusammenarbeit mit anderen Akteur*innen des Theaterwerkplatzes. Einzelne Räume können bei funktionalem Bedarf in nahe gelegene Flächen oder bestehende Kulturräume ausgelagert werden, um Arbeitsabläufe zu vereinfachen, Wege zu verkürzen und die Kosteneffizienz zu verbessern.
Julia Sulzer und Marc Rambold sind vonseiten Stadt Luzern gemeinsam fĂĽr die Projektleitung verantwortlich.
Häufige Fragen
RĂĽckblick
Hätte man nicht einfach ein vorhandenes Projekt anpassen können?
Die Rückmeldungen nach dem ersten Projekt haben gezeigt, dass nicht nur einzelne Elemente, sondern grundlegende Fragen zur inhaltlichen Ausrichtung, Einbettung und Akzeptanz geklärt werden müssen. Deshalb wird die Vision gemeinsam neu entwickelt, bevor konkrete Projekte ausgearbeitet werden.
Warum ein Mitwirkungsprozess zur Vision Theaterwerkplatz Luzern?
Die Bevölkerungsbefragung nach dem Nein zum Theaterprojekt «überall» hat gezeigt: Die meisten wünschen sich mehr Mitsprache und eine stärkere Einbindung unterschiedlicher Interessengruppen. Der nächste Schritt ist daher ein offener und breit abgestützter Dialog darüber, welche Rolle das Theaterangebot in Luzern heute und künftig spielen soll. Dieses Anliegen ist im Vergleich zum Erarbeiung des Projekts «überall» noch stärker zu gewichten, insbesondere zu Beginn des Prozesses. Die Erarbeitung der Vision Theaterwerkplatz Luzern soll nicht nur inhaltlich breit abgestützt, sondern auch durch einen transparenten Prozess getragen sein. Damit wird eine konsolidierte Haltung in Bezug auf die wichtigsten städtebaulichen Fragestellungen und in Bezug auf das Kulturangebot gewährleistet.
Mitwirkungsprozess
Wie kamen die Leitsätze und Rahmenbedingungen für den Prozess zustande?
Die Leitsätze und Rahmenbedingungen wurden auf Basis der bisherigen politischen Beschlüsse, fachlichen Grundlagen und der Erkenntnisse aus den vergangenen Projekten festgelegt. Sie definieren den Handlungsspielraum des Prozesses, nicht aber dessen Ergebnisse.
Warum sollte die Bevölkerung nach dem gescheiterten ersten Anlauf nochmals Vertrauen haben?
Gerade aus dem ersten Anlauf wurden wichtige Lehren gezogen. Dieses Mal erfolgt die Mitwirkung deutlich frĂĽher, breiter und strukturierter. Ziel ist, unterschiedliche Perspektiven frĂĽh einzubeziehen und nachvollziehbar aufzuzeigen, wie die Ergebnisse in die weitere Planung einfliessen.
Warum braucht es einen Mitwirkungsprozess, wenn die Leitsätze und Rahmenbedingungen ohnehin klar sind?
Die Leitsätze und Rahmenbedingungen geben den Spielraum vor. Innerhalb dieses Spielraums bestehen jedoch zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten. Der Mitwirkungsprozess soll helfen, diese gemeinsam zu entwickeln und breit abgestützte Lösungen zu finden. So wird in den Leitsätzen bspw. vorgegeben, dass das Theater und der Theaterplatz zu einem öffentlichen Treffpunkt werden sollen. Wie dies auszugestalten ist, soll im Mitwirkungsprozess eruiert werden.
Wer entscheidet am Schluss wirklich?
Die formellen Entscheide treffen die zuständigen politischen Behörden und die Stimmberechtigten in einer Volksabstimmung. Der Mitwirkungsprozess liefert dafür eine fundierte Grundlage.
Wie wird verhindert, dass nur gut organisierte Interessengruppen den Prozess dominieren?
Der Prozess ist so konzipiert, dass unterschiedliche Perspektiven gezielt einbezogen werden. Neben organisierten Interessen werden auch weniger organisierte Gruppen sowie interessierte Einzelpersonen beteiligt. Unterschiedliche Beteiligungsformate tragen dazu bei, ein möglichst ausgewogenes Bild zu erhalten.
Werden auch unbequeme Ergebnisse veröffentlicht?
Ziel ist eine transparente Dokumentation des Prozesses. Dazu gehören auch Rückmeldungen und Ergebnisse, die kontrovers oder kritisch sind.
Was kostet dieser Prozess – und wer bezahlt ihn?
Die Kosten für den Prozess trägt die Stadt Luzern. Mit der Annahme des B+A 37/2025 hat der Grosse Stadtrat für den Prozess zur Erarbeitung der Vision Theaterwerkplatz Luzern einen Kredit von 1.91 Mio. Franken bewilligt. Für den Prozess, inkl. Sach- und Betriebsaufwand und Kosten für Studien wurden Fr. 750'000.– bewilligt. Im Übrigen wurden mit dem Kredit befristete Personalressourcen für die weitere Projektbearbeitung gesprochen.
Städtebau und Stadtentwicklung
Muss das Theatergebäude am Reussufer um jeden Preis stehen bleiben?
Das Haus ist denkmalpflegerisch wertvoll. Sein Volumen und seine Höhe sind ausgewogen und fügen sich gut ins Stadtbild ein. Die Dimension des heutigen Platzes ist dem Ort angemessen.
Das Gebäude beinhaltet Graue Energie insbesondere in der Tragstruktur. All diese Überlegungen gilt es sorgfältig abzuwägen. Im Prozess wird bewusst auch das Szenario Neubau zur Diskussion gestellt um Vor- und Nachteile gegenüberzustellen.
Warum soll das Haus erhalten werden? Denkmalschutz?
Die Denkmalpflege stuft gewisse Aspekte des Gebäudes als wertvoll ein. Dies sind insbesondere die Nordfassade und die freistehende Kubatur. Auch hinsichtlich der Grauen Energie, d.h. zu Fragen der Nachhaltigkeit, gilt es, relevante Aspekte in Bezug auf den (Teil-)Erhalt zu berücksichtigen. Diese müssen im Prozess diskutiert und abgewogen werden.
Wird die Buobenmatt in die Planung einbezogen?
Die Buobenmatt und andere angrenzende Liegenschaften sollen als Entwicklungsspielraum in den Prozess miteinbezogen werden. Die Liegenschaften befinden sich jedoch in Privatbesitz und sind derzeit vermietet.
Evaluation Betriebsmodelle
Wie stark soll sich die künstlerische Ausrichtung des Luzerner Theaters ändern?
Ziel ist der Erhalt und die Weiterentwicklung eines Theaterbetriebs, der die gesellschaftlichen Erwartungen auch in Zukunft erfüllt und ein breites Publikum anspricht. Die öffentliche Hand bestimmt dabei nicht die Inhalte, sondern schafft die Rahmenbedingungen (insbesondere die räumliche Basis), welche die inhaltliche Weiterentwicklung des Theaterbetriebs unterstützen. Entscheidend ist, dass das Theater genügend Spielraum hat, um sich künstlerisch zu verändern und immer wieder neue Zugänge für das Publikum zu schaffen. Gleichwohl braucht es aber eine funktionierende und anpassungsfähige Infrastruktur.
Auch der Betrieb an sich soll hinterfragt werden. Wie ergebnisoffen ist man hier? Ist es zum Beispiel möglich, dass das Intendanz-Modell abgeschafft wird? Oder, dass die verschiedenen Sparten nicht nu
Die Ergebnisse aus der Bevölkerungsbefragung zeigen klar: Der professionelle Mehrspartenbetrieb wird nicht in Frage gestellt. Trotz dieser Bestätigung ist es wichtig, verschiedene Umsetzungsmodelle des Mehrspartenbetriebs zu prüfen. So kann ermittelt werden, welche betrieblichen und organisatorischen Voraussetzungen des Theaters am besten zu den heutigen und künftigen Bedürfnissen passen. Dazu gehört auch, verschiedene alternative Modelle mit den Beteiligten und Fachleuten ergebnisoffen zu diskutieren.
Inhaltliche Ausrichtung Theaterwerkplatz Luzern
Was ist mit dem Begriff Theaterwerkplatz gemeint?
Der Theaterwerkplatz Luzern ist als Netzwerk unterschiedlicher kultureller Akteur*innen in der Stadt und Region Luzern zu verstehen. Diese Akteur*innen schaffen bereits vielfältige Räume für künstlerische Produktionen, Austausch und gesellschaftliche Auseinandersetzung. Untereinander bilden sie ein unterschiedlich stark ausgeprägtes Gefüge von Beziehungen, Ressourcenflüssen und Rollen. Ziel ist es, dass diese Akteur*innen innerhalb der gegebenen Rahmenbedingungen gemeinsam eine Vision für die Zukunft des Theaterwerkplatzes Luzern erarbeiten auf Basis derer verlässliche Strukturen für Kooperation, Experiment und Teilhabe entstehen können.
Was kann die freie Szene von diesem Prozess erwarten?
Exponent*innen der freien Szene werden im Mitwirkungsprozess von Anfang an eingebunden. Sie bilden gemeinsam eine wichtige Anspruchsgruppe, welche insbesondere bei der Ausgestaltung des Theaterwerkplatzes und der Diskussion über mögliche Betriebsmodelle eine relevante Stimme erhält. Zusammen mit anderen Anspruchsgruppen wird die Grundlage für einen zukunftsfähigen Theaterstandort Luzern gelegt.
Mit der Vision Theaterwerkplatz Luzern sollen weitere kulturpolitische Handlungsfelder erschlossen werden: Was heisst das genau?
Im Rahmen des Mitwirkungsprozesses sind die unterschiedlichen Perspektiven und Rollen der auf dem Theaterwerkplatz tätigen Akteurinnen und Akteure strukturiert einzubinden und dabei gemeinsame Leitlinien für die Vision Theaterwerkplatz Luzern herauszuarbeiten. Es sind auch Diskussionen darüber zu führen, ob weitere Massnahmen nötig sind, die für die ganzheitliche Weiterentwicklung des Kulturstandorts Luzern als sinnvoll erachtet werden.
Was ist das Ziel fĂĽr das Luzerner Theater der Zukunft?
Es gilt, ein Kulturhaus mit einer langen Tradition in Luzern in die Zukunft zu führen. Luzern soll Standort für ein Theater der Zukunft sein, das den gesellschaftlichen Erwartungen gerecht wird, inhaltliche Weiterentwicklungen ermöglicht und ein breites Publikum anspricht und inspiriert.